Kommen bald Pakete per Drohne?

Eine Drohne im Flugeinsatz.
Eine Drohne im Flugeinsatz.

Paketlieferungen kommen bald durch die Luft angeflogen

Inhaltsverzeichnis

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    Obwohl die Paketlieferung mit Drohnen schon seit langer Zeit als Thema durch die Medien kursiert, mutet es teilweise immer noch wie ein Kapitel aus einem Science-Fiction Roman an. Dabei nimmt das, was man getrost als Revolution des klassischen Warentransports bezeichnen könnte, inzwischen immer konkretere Gestalt an. Vor allem der US-amerikanische E-Commerce Gigant Amazon gilt dabei als Innovator.

    Ablauf

    Drohne

    Mit dieser Drohne können Sie testen was für ein guter Pilot Sie sind

    Geht es nach Amazon, nimmt die Drohne die bestellte Ware im Versandhaus auf, steigt von dort aus auf und fliegt das Paket zum Kunden. In die Drohnen sind eine ganze Reihe von Sensoren, Kameras und Radarsysteme eingebaut, so dass die Pakete sicher und schnell den richtigen Weg zum Besteller finden. Die Routen, die die Drohnen zur Ablieferung des Pakets nehmen müssen, werden dabei vollautomatisch berechnet.
    Der Patentantrag gibt außerdem preis, dass die Amazon Drohnen mittels App auch dahin geleitet werden können, wo sich der Besteller gerade aufhält. Zwar können die Drohnen lediglich eine Ladung von bis zu 2,3 Kilogramm tragen, allerdings seien damit laut Amazon-Chef Bezos rund 86 % der bestellten Produkte abgedeckt. Auch Google und die Deutsche Post über ihre Tochter DHL experimentieren mit Drohnen, um künftig Pakete damit auszuliefern.

    Vor- und Nachteile einer Paketlieferung per Drohne

    Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil: Ein positiver Aspekt der Warenlieferung mit Drohnen ist die gute Ökobilanz, die durch die Lieferung der Ware mit Helikopter-Drohnen anstatt mit LKWs entsteht. Versandhändler könnten mit einer funktionierenden Drohnenlieferung natürlich auch erheblich Kosten einsparen und Zustellzeiten signifikant verkürzen. Dies würde aber zu Lasten der großen Logistiker wie beispielsweise DHL oder UPS gehen und damit in Konsequenz auch deren Arbeitnehmer treffen.

    Aktuelle Hindernisse

    Bis der flächendeckende und kommerzielle Drohneneinsatz aber Wirklichkeit wird, gilt es noch einige Hindernisse, vor allem juristischer Natur aus dem Weg zu räumen.
    Für ihren Weg von den Warenlagern zum Kunden sind die Lieferdrohnen auf eine Genehmigung der Flugaufsichtsbehörden angewiesen. Amazon konnte mittlerweile zwar die ersten Versuche mit Genehmigung der US-Luftfahrtbehörde durchführen, diese sind aber mit klaren Auflagen verbunden und bestimmen beispielsweise, dass die Drohnen nur bei Tag und einer maximalen Höhe von 122 Metern fliegen dürfen. Außerdem dürfen sie das Sichtfeld ihres „Piloten“ nicht verlassen. Um eine Drohne steuern zu können, muss der Pilot außerdem einen Pilotenschein (Pilotenzertifikat) besitzen. Die FAA fordert von Amazon zudem ein engmaschiges Reporting über die Anzahl der Testflüge und aufgetretene Probleme.
    Diese strengen Auflagen sind natürlich eine ziemliche Hürde, was dazu geführt hat, dass Amazon starken Druck auf die US-Luftfahrtbehörde ausgeübt hat. Die Luftfahrtbehörde plant daher, dass bis September 2015 kommerzielle Drohnen an sechs Orten in den USA ohne Genehmigung getestet werden können um sie so nach und nach in den US-Luftraum einzugliedern. Der Verband mehrerer Luftfahrtunternehmen, die AIA (Aerospace Industries Association), stellt sich in diesen Belangen hinter Amazon, da deren Mitglieder den umfangreichen Einsatz von Drohnen zu anderen Zwecken, namentlich dem Landbau, zur Feuerbekämpfung und Wetterbeobachtung planen.
    Hierzulande ist die Nutzung von Drohnen durch das 14. Gesetz zur Änderung des Luftfahrgesetzes geregelt: „Ebenfalls als Luftfahrzeuge gelten unbemannte Fluggeräte einschließlich ihrer Kontrollstation, die nicht zu Zwecken des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden.“
    Für Drohnen gilt also, wie für alle anderen Fluggeräte auch, dass der Betrieb außerhalb von Sport- und Freizeitaktivitäten eine Genehmigung erfordert. Außerdem müssen bestimmte Sicherheitsvorschriften wie ein Mindestabstand von Flughäfen oder ein generelles Flugverbot an bestimmten Orten wie beispielsweise Atomkraftwerken oder militärischen Standorten eingehalten werden. Die Auslegung der Sicherheitsvorschriften ist Ländersache, eine Genehmigung erfolgt also über die jeweiligen Bundesländer.
    Steht hinter der Erlaubnis für einen breiten Einsatz in der Versandhandelsbranche derzeit noch ein Fragezeichen, profitieren andere Bereiche wie beispielsweise die Filmbranche bereits erheblich von der Arbeit mit Drohnen.
    Auch Sicherheit und Datenschutz spielen eine Rolle beim Einsatz von Drohnen. Stürzt eine Drohne beispielsweise auf unbewohntem Gelände ab, nimmt höchstens das Fluggerät direkten Schaden. Während es in bewohnten Gebieten schlimmstenfalls auch zu Personenschäden kommen kann. Zum Schutz der Privatsphäre erlaubt der Gesetzgeber den Flugbetrieb über Grundstücken nur, wenn der Besitzer es ausdrücklich erlaubt.
    Heute schon werden Drohnen zu Lieferzwecken eingesetzt

    Heutiger Einsatz von Lieferdrohnen

    Dabei handelt es sich meistens um Medikamentenlieferungen über Kurzstrecken. So zum Beispiel in den USA wo eine Flugdrohne mit offizieller Bewilligung der US-Luftfahrtbehörde FAA verschreibungspflichtige Medikamente für eine abgelegene Klinik in Virginia liefert.
    Diese Sondergenehmigung wurde erteilt, da die nächste Apotheke rund 90 Minuten mit dem Auto von der Klinik entfernt ist.Der Zusteller DHL tut es den US-Vorbildern gleich und testet auch hierzulande die Paketzustellung mit Drohnen. Der erste Praxistest verlief erfolgreich: eine Medikamentenlieferung wurde von einer Apotheke an die DHL-Zentrale in Bonn geflogen. In einem Langzeittest fliegt seit September 2014 regelmäßig eine DHL-Drohne zur Medikamentenlieferung auf die Nordseeinsel Juist.
    Sollte dabei etwas schief gehen, hat die Kontrollstation im Notfall die Möglichkeit auf manuelle Steuerung umzustellen. Dies könnte als Vorbild für den Regelbetrieb dienen. Wenn die Bedingungen stimmen, könnten zukünftig eilige Güter in schlecht erreichbare Gebiete geflogen werden, so DHL.

    Fazit

    Die Paketlieferung mittels Drohnen ist zwar kein fernes Zukunftsszenario mehr, ein paar Jahre werden aber dafür sicher noch ins Land gehen. Aufgrund der zahlreichen Regularien hierzulande wie auch in den USA wird sich der Einsatz von Drohnen im Jahr 2015 vor allem auf die private Nutzung sowie den eingeschränkten kommerziellen Einsatz in Testversuchen beschränken. Geplante Dienste wie Amazon Prime Air oder vergleichbare Lösungen der DHL gehören daher aktuell, bis zu einer entsprechenden gesetzlichen Neuregelung, noch in die Kategorie Forschung und Entwicklung. Das Potential wurde jedenfalls erkannt. So hat eine Statista-Umfrage unter der deutschen Bevölkerung ergeben, dass Drohnen mutmaßlich zu den wichtigsten Technologien gehören werden, die für den Alltag bis 2020 einschneidend sein werden.
    Folgt also irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft die Erlaubnis und sind die Tests erfolgreich, könnten Pakete schon bald in unter als 30 Minuten zum Besteller geliefert werden. Gleichwohl ist auch dann nicht davon auszugehen, dass die Paketlieferung per Drohne den Paketzusteller irgendwann zur Gänze überflüssig machen wird, eher schon, dass die Drohnenlieferung gegen Aufpreis bestimmten Premium-Services vorbehalten bleibt.

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